dOCUMENTA 13

Gemälde von Konrad Zuse at dOCUMENTA (13)

Gemälde von Konrad Zuse

Statt sozialer Medien und elektronischem Publizieren diesmal kUNST – wie die dOCUMENTA 13 es schreiben würde. Natürlich lassen sich dort auch für Technikfreaks spannende Entdeckungen machen: Dass Konrad Zuse, der Erfinder des Computers, auch gemalt hat, war mir neu. Stilecht im Kassler Technikmuseum (der Orangerie) hängen dort neben einer Z23 ungefähr 15 Gemälde an der Wand.

Computer Z23 von Konrad Zuse at dOCUMENTA (13)

Computer Z23

Im Ausstellungskern, genannt the „Brain“, in der Rotunde des Museum Fridericianum findet sich außerdem ein Modell eines Teiles der Z1. Im Stockwerk darüber demonstriert der Wiener Experimentalphysiker Anton Zeilinger mit eindrücklichen quantenmechanischen Experimenten Fernwirkungen – unter anderem die Zukunft der Computerei, die Quantencomputer.
Doch das war es dann auch schon mit Technik. Den umfänglichen, aber sehr informativen Katalog gibt es nICHT als ebook oder App – dafür aber eine iPhone-App, die 700 (!) MB Speicher haben will und sich uns nicht recht erschlossen hat. Dafür gibt es einige der Bändchen über einzelne Künstler auch als epub; leider nicht für den Kindle.
Ich bin vor allem mit der Frage hingegangen, ob die dOCUMENTA sich bei ihrem so akzentuiert politischen Anspruch auch mit den Auswirkungen von sozialen Netzwerken und Internet beschäftigt. Das scheint aber nicht in das Konzept der bildenden Künste zu passen – also zu wenig Sinnliches, Bildhaftes hervorzubringen – so dass ich mich dann ganz auf die übrigen Installationen einlasse.
Ein besonderer Schwerpunkt gilt der Filiale der dOCUMENTA in Kabul, Afghanistan. Die Documenta 13 soll ähnlich wie die erste Documenta in Kassel 1955 die mit dem Wiederaufbau beschäftigte Bevölkerung bei der Neuorientierung unterstützen.

Susan Hiller's Song Book at dOCUMENTA (13)

Susan Hiller’s Song Book

Die Künstlerin Mariam Ghani zeigt ein Video über die Ruine des Darul-Aman-Palastes bei Kabul, in dem der reformfreudige König Amanulah Khan im obersten Stockwerk ein Parlament einrichtete. Leider hat er mit der Geschwindigkeit der Reformen sein Volk etwas überfordert. Gleichzeitig mit dem Video, das durch die Palastruine führt, wird ein Video über den Wiederaufbau des Museum Fridericianum, indem das Video abgespielt wird, gezeigt. Sehr beeindruckt hat mich auch der riesige Teppich (ca. 10 m breit) mit einem fotorealistischen Abbild der Kabuler Palastruine Bagh-e Babur im obersten Stockwerk der Rotunde, den die polnische Künstlerin Goshka Macuga für die dOCUMENTA fertigte – ein Teppich mit Motiven aus Kassel hängt gleichzeitig in Kabul.
Das Thema des Krieges nimmt auch der algerisch-französische Künstler Kader Attia mit seiner Installation „The Repair“ auf, die lauter Gegenstände aus Afrika zeigt, die aus Patronen- und Granathülsen gefertigt sind, z.B. kleine Kruzifixe aus Patronen. Daneben stellt er Fotos von Gesichtern von Veteranen des ersten Weltkrieges aus, die nach plastischen Chirurgien grässlich entstellt sind.

Korbinian Aigner, Korbiniansapfel / KZ-3 | dOCUMENTA (13)

Korbiniansapfel

Ein ganz anderer Aspekt des zweiten Weltkrieges, die NS-Konzentrationslager, wird unter anderem von einer Wand voller Apfelzeichnungen repräsentiert. Der „Apfel-„Pfarrer Korbinian Aigner züchtete im KZ Dachau Apfelsorten. Die Sorte KZ-3 wurde später in Korbiniasapfel umbenannt und ein Baum davon anlässlich der Documenta in der Karlsaue gepflanzt.

Zwei tote Tsetse-Fliegen | Pratchya Phintong at dOCUMENTA (13)

Zwei tote Tsetse-Fliegen

Ein moderner Krieg wird gegen die Tsetse-Fliege geführt, welche die tückische Schlafkrankheit überträgt, der jedes Jahr ungefähr so viele Menschen zum Opfer fallen wie durch Kriege getötet werden. Im zugehörigen Raum hat der thailändische Künstler Pratchaya Phinthong eine Vitrine aufgestellt, die lediglich zwei Fliegen enthält, ein Männchen und ein trächtiges Weibchen. Friedlich, aber tot, beieinander liegend. Führt die Tsetse-Fliege einen Krieg gegen die Menschen oder die Menschheit einen gegen die Fliege? Dürfen wir eine Tierart ausrotten, weil sie ein Bakterium überträgt?

Amerikanische Galgen | Sam Durant at dOCUMENTA (13)

Amerikanische Galgen

Die zwei Tage vergingen wie im Flug und beeindruckend fand ich auch die Sahrawi-Frauen, die mit ihrem Zelt gegen die Kolonisation der Westsahara kämpfen, die klettergerüstartige Installation aus amerikanischen Galgen von Sam Durant, die Zeitbank von e-flux und die Protest-/Revolutionslieder-Jukebox von Susan Hiller mit dem leider gerade vergriffenen Song-Book.

Zeit-Bank | e-flux auf der at dOCUMENTA (13)

Zeit-Bank | e-flux auf der at dOCUMENTA (13)

Aber es gab nicht nur Dramatisch-Aufrüttelndes zu sehen, sondern auch die Kunst der Ironie zu bewundern, nicht nur in der parallelen Caricatura-Ausstellung im Hauptbahnhof. Wir besuchten das SANATORIUM, eine Aktion des mexikanischen Künstlers Pedro Reyes. Eine Gruppe von zwanzig weißbekittelten Kunststudenten bietet in einer Hütte auf der Karlsaue dem modernen therapiebedürftigen Menschen eine Reihe neu entwickelter „soziatrischer“ Therapien an.

Zum Beispiel „Goodoo“, die Umkehrung von Voodoo: An eine Puppe, die einen anderen Menschen repräsentiert, werden lauter Glückssymbole angehängt . Bei „Cityleaks“ schreibt man ein persönliches Geheimnis auf einen Zettel und bekommt dafür das Geheimnis eines anderen Menschen ausgehändigt – und erfährt so, dass er mit seiner Scham nicht allein ist.

Philosophical Casino | Pedro Reye's Sanatorium at dOCUMENTA (13)

Philosophical Casino

Im „Philosophical Casino“ gibt es riesige Würfel und Kreisel, mit dem der geplagte Mensch sich Rat für sein Leben besorgen kann. Die Freundin und ich entschieden uns für den Partnership Compatibility Test.

Partnership Compatibility Test | Pedro Reye's Sanatorium at dOCUMENTA (13)

Partnership Compatibility Test

Unter Aufsicht des Arztes sucht jeder Partner sich aus einer großen Auswahl aus Gemüse und Obst ein Gemüsestück oder eine Frucht aus, die ihn selbst repräsentiert und eine, die den Partner repräsentiert. Jeder Partner erläutert dem Arzt seine Auswahlkriterien und wenn die Partnerschaft dann nicht spontan beendet ist, fertigt der Arzt aus den vier ausgewählten Früchten einen Smoothie. Wir hatten viel zu lachen – allen dreien hat der Smoothie wohl gemundet.

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E:PUBLISH 2011 – Buch-digitale und Homer 3.0 unter einem Dach

Am 17. und 18. November 2011 trafen sich die Zukunftsinteressierten der Buchbranche zur Tagung E:PUBLISH 2011 im Harnack-Haus in Berlin-Dahlem. Es waren zwei spannende Tage mit Berichten und Anregungen aus dem digitalen Umbruch, der sich gerade in der Buchbranche vollzieht, von den Veranstaltern gar als „Hurrikan“ eingestuft, zumindest, was die Zukunft des stationären Buchhandels angeht. Gut 250 TeilnehmerInnen aus der Buchbranche – überwiegend aus Verlagen und Dienstleistern – diskutierten in Keynotes, Tablesessions, Podien, Workshops und nicht zuletzt den Kaffeepausen ihre Visionen und Best Pratices aus der digitalen Verlagswelt.

In den folgenden Zeilen stelle ich einige Highlights und gelernte Lessons aus meiner persönlichen Perspektive vor; das vollständige Programm lässt sich ja bequem online nachlesen, die Meinung anderer bei Twitter unter dem Hashtag #epublish11. Das Harnack-Haus bot ideale Räumlichkeiten und schon einige Zeit vor Beginn am Mittwoch waren alle Stehtische im Foyer gut besetzt und die Teilnehmer fleißig im Gespräch. Martina Tittel führte dann souverän und gut gelaunt durch das Programm, das mit den Keynotes von Axel Schmiegelow und Till Moeppert eröffnet wurde. Beide schwärmten vom digitalen Wandel und machten deutlich, dass in den großen Wissenschaftsverlagen der Wandel zum E-Book längst vollzogen sei.

Richtig spannend fand ich dann die Table-Sessions: 14 große runde Tische, an denen jeweils ein Referent in ein Thema einführte oder ein Produkt vorstellte. Ich habe mir mit Begeisterung die App von DocCheck angesehen, bei der ein Medizinbuch-Klassiker von einer großen Mediziner-Community kommentiert wird und auch noch gratis mit Inhalten wie Ultraschallvideos und Horrorpics à la Pschyrembel versorgt wird. Toll! Das ging so eine Dreiviertel Stunde, dann suchte man sich einen neuen Tisch. Ich landete bei Karsten Wenzlaff vom ikosom, der erstaunlich viele gelungene Crowdsourcing/funding-Projekte für Bücher vorstellen konnte und uns die vielen verschiedenen Crowdsourcing-Plattformen erklärte – alles weit über Flattr und Kachingle hinaus. Zur Belohnung gab es einen leckeren Mittagsimbiss und danach die BUDIP-Preisverleihung, währenddessen ich mich um meine Sozialen Medien kümmerte, was dank leistungsfähigem Gratis-WLAN bestens funktionierte.

Dann folgten die 1,25-stündigen Workshops, von denen ich mir Michael Dreusickes über Semantic Publishing ausgesucht hatte. Dreusicke erklärte u.a. anhand seiner Entwicklung PAUX eine Reihe von Aspekten, die in klassischen Content-Management-Systemen (CMS) zu kurz kommen: Die Stufe der Granulierung (bei ihm bis auf Wortebene), die Kennzeichnung von Wörtern nicht nur mit RDFa und mit Verknüpfungen zu Definitionen und Medien (Bilder, Videos usw.), sondern auch mit Sprachleveln, die für E-Learning-Zwecke ausgewertet werden. Außerdem demonstrierte er seine schon als genial einzustufende Suchmaschinenoptimierung über Microsites und die bidirektionale Facebook-Schnittstelle. Also ein Content-Management-System, das nicht nur Content-Container verwaltet, sondern seinen Content auch gleich automatisiert vermarktet.

Die abschließende Podiumsdiskussion kreiste nach meinem Eindruck vor allem darum, dass die Wissenschaftsverlage den Wandel zum Angebot von nahezu nur noch digitalem Inhalt schon weitgehend bewältigt haben.

Ein weiterer Höhepunkt war dann die abendliche Party im Restaurant Fischerhütte am Schlachtensee, zu denen wir mit Bussen gebracht wurden. Auch dort reger Austausch, wieder mit vielen Stehtischen, so dass es leicht war, mit vielen verschiedenen Menschen Kontakt aufzunehmen. Ein rundherum gelungener Tag.

Der zweite Tag ging aus der Veranstaltung Homer 3.0. hervor, die der Berliner Landesverband des Börsenvereins letztes Jahr aus der Taufe gehoben hatte. Nachdem der erste Tag sich besonders mit Fach- und Wissenschaftsverlagen beschäftigt hatte, sollte es jetzt um Belletristik und Sachbuch sowie den stationären Buchhandel gehen.

Kathrin Passig gab zu Beginn ihrer Keynote ein Beispiel ihrer Schlagfertigkeit: Sie sei von den Veranstaltern gefragt worden, ob sie 20 Minuten über die Zukunft des stationären Buchhandels sprechen könne. Dafür brauche sie nur 20 Sekunden – wäre den Rest der Zeit möglicherweise langweilig. Also sprach sie über „Wünsche an den Buchhandel von morgen“ und brachte einige Beispiele, inwiefern der Empfehlungsalgorithmus von amazon bei ihr nicht funktioniere: Sie bekäme nach dem Kauf eines Krimis gleich 18 weitere aus der Reihe empfohlen – oder aber ihre eigenen Bücher. Das sei fatal: ein schlechtes Musikstück koste sie 99 Cent und 90 Sekunden ihrer Lebenszeit. Ein unpassender Film 8 Euro und 90 Minuten. Das falsche Buch jedoch Wochen ihrer Zeit und auch noch 18 Euro. Also braucht es bessere Empfehlungen, die sie im Filmbereich durchaus gefunden habe. Diese Algorithmen beruhten auf der Suche nach Geschmacksnachbarn, nicht auf Empfehlungen von Freunden in sozialen Netzwerken. Dank letzterer den mitunter zweifelhaften Geschmack ihrer Freunde kennenzulernen, sei nicht immer eine schöne Erfahrung gewesen.

Nach diesem wohl doch Abgesang auf den stationären Handel sollte Ronald Schild mit dem E-Book-Vertrieb von Libreka und einem eigenen Lesegerät für den unabhängigen Buchhandel etwas Hoffnung verbreiten. Buchhändler können das Gerät verkaufen und erhalten dann 20 % aller Umsätze, die der Leser damit generiert. Da die Holtzbrink-Verlage in den USA bereits 30 % ihrer Umsätze mit E-Books erzielten, könnte das eine Chance für großes Geschäft sein. Dafür müsse Technologie zur Kernkompetenz der Buchhändler werden. Das Publikum mochte sich dieser Vision nicht so recht anschließen …

Florian Nehm von Axel Springer begeisterte mit einer Präsentation über nachhaltiges Einkaufsverhalten von Verlagen. Dass das Papier aus umweltfreundlicher und politisch korrekter Produktion kommen solle, habe sich bereits herumgesprochen. Dass konsequenterweise auch die Seltenen Erden für die Produktion von Smartphones nicht von dubiosen kongolesischen Milizen aus illegalem Abbau erworben werden sollten, verstehe sich von selbst. Axel Springer beschäftigt hier also einen Mitarbeiter, der die Verlagsgruppe durch konsequente Nachverfolgung der Lieferketten von unliebsamen Skandalen freihält. Die Springer-Journalisten haben ja gut damit zu tun, Skandale bei anderen Firmen aufzudecken. Vorbildlich.

Ein Highlight war für mich dann Sven Fund, der von der Branche eine radikale Neuorientierung hin zu Kundenbedürfnissen forderte: von einem angebotsorientierten Geschäftsmodell zu einem nachfrageorientierten. Sogar die Forderungen der Piratenpartei müssten endlich in der Buchhandelsbranche diskutiert werden und nicht mit Verweis auf das aktuelle Urheberrecht einfach abgetan werden. Wachstum macht er bei Open Access aus, worin die Europäer den amerikanischen Verlagen weit voraus seien. De Gruyter habe mit der TOPOI-Reihe dieses Prinzip auch im Buchbereich  erfolgreich weitergeführt. Die Kalkulation des Verlages müsse radikal verändert werden: Kunden sollten nicht für bedruckte Papierbogen zahlen, sondern für Relevanz. Nutzung kann digital recht gut gemessen werden – und sie kann über Kampagnen mit einem begrenzten Gratiszugang auch erfolgreich auf ein um ein Vielfaches höheres Niveau gehoben werden, selbst bei Byzantinistik-Zeitschriften. Außerhalb von Kampagnen erhöhe die semantische Anreicherung die Nutzung: 80 % der Leser kommen über Google.

Im Anschluss gab es wieder Tablesessions wie am Vortag, diesmal bekamen auch die Keynote-Sprecher eigene Tische, um ihre Thesen weiterzudiskutieren. Nach der Vertiefung bei Sven Fund (mit den Dingen die er nicht ganz so laut sagen wollte) saß ich bei Ute Nöth (books+), die aus ihrem Nähkästchen für die Erzeugung von enhanced E-Books plauderte. Sie verdeutlichte alles anhand der Produktion von Claudia Weiss’ „Schandweib“. Mitgenommen habe u.a. ich die motivierende Erkenntnis, dass die audiovisuelle Materialsammlung für das enhanced E-Book bei der Promotion des Printtitels sehr förderlich war, da das Material von Radio, TV, Blogs usw. gern genommen wurde – und so eine richtig zündende Kampagne entstand.

Nach der Verleihung des AKEP-Awards an neobooks wärmte sich die Gemeinde dann an einem Podium, auf dem E-Book-Pionier Volker Oppmann das Kulturkaufhaus Dussmann als seinen „Tempel der Inspiration“ (Zitat!) enthüllte, und dass dieses auch ein beliebtes Ziel von Touristen sei und es sich sogar vergrößere. Man stellte des Weiteren fest, dass im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg immer wieder neue unabhängige Buchhandlungen gegründet werden. Ich freue mich also, dass es ungefähr einem Promille des Buchhandels bestens geht – und besuche dann Katja Splichals gelungenen Workshop über das Monitoring sozialer Medien. Splichal stellt zahlreiche Tools vor, die z.B. Zu- und Abgänge von Twitter-Followern automatisch analysieren und Vorschläge unterbreiten, doch mal etwas positivere Stimmung zu vertwittern. Sie stellt zahlreiche Beispiele von wenig gelungener, aber auch sehr erfolgreicher Community-Bespaßung durch Verlage vor. Zahlen sind relativ: Es kommt selten auf die absolute Zahl z.B. der Twitter-Follower an, sondern auch auf das Verhältnis von Followers und Follows an. Inspirierende Zusammenfassung von einer echten Fachfrau!

Den Abschluss bildete ein Podium oder vielmehr eine Präsentation von Auszubildenden der Verlagsbranche. Sie schienen mir recht abgeklärt in ihren Ansichten über die Aufgaben von Verlagen und Buchhandlungen, jedenfalls ging es nicht um Hurrikans. Für das nächste Mal wünsche ich mir einen etwas anderen Auftrag an den Nachwuchs, z.B.: Wie sieht die Mediennutzung bei den heute 20-Jährigen aus? Und was wird das in 10 Jahren für Konsequenzen haben?

Alles in allem eine sehr besuchenswerte Konferenz, zahlreiche gute Gespräche, eine dichte Diskussionskultur. Alle Präsentationen und Videos der Plenum-Veranstaltungen gibt es in wenigen Tagen online zum Download.

Ich freue mich, dass der digitale Wandel überall in den Köpfen angekommen ist und umgesetzt wird. Und ich bin gespannt, ob der erste Tag nächstes Jahr (15.–16.11.2012) immer noch „buch“-digitale heißt – oder ein neues Wort gefunden wird. Und ob der zweite Tage noch von der homerischen Odyssee inspiriert ist oder von Kolumbus (zu neuen Ufern?), Magellan, Charles Vane, Humboldt … oder – für die Freunde des Sarkasmus – von den Reiseergebnissen eines Herrn Darwin, den ja Ronald Schild in seinem Keynote-Titel schon deutlich anklingen ließ.

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The First Million Reached, Marketplaces and Job Exchanges for Revenues, Networks for Scientists: March till May

(English version of last article) Researchgate.net is the first scientific network with more than one million members. Mendeley.com is very close to its first million. See the chart on the right and the corresponding table  here.

None of these networks are clear about their business models.

Not only has COSIS.net company profiles similar to the company profiles at XING, LinkedIn, and Facebook pages, it has gone one step better by providing a marketplace for them.

The COSIS.net Marketplace

COSIS.net has installed its Marketplace that is partially accessible without login. It provides addresses, logos, descriptions, networking, and links in the basic package for free.

The premium package for 300 € per year includes product specifications, white-papers, jobs and corporate news.

All personal members of COSIS.net can become „followers“ of a company profile which enables them to see updates of the profile in their timeline like in Facebook etc. Members can also connect as employees.

A special feature I did not see elsewhere is the simple form „Create Request for Bids and Partnership“. Users, and also companies can answer these requests, e.g. for a special measurement tool.

COSIS.net challenges established marketplaces in the geosciences like the yellow pages-like geophysicsmarketplace of the SEG by adding social media components to the profiles.

Job exchanges

Having huge numbers of profiles describing professional successes of people attract headhunters and employers.

COSIS.net integrated its job exchange into its marketplace which started in April and shows 68 geoscientific jobs. Among the company profiles, some relevant recruiters are shown (there will be much more the next time.) A 300 € per annum premium package includes 100 job posts which is a really good deal.

Researchgate offers 33 pages (each page has 50 jobs), so in total more than 1500 jobs available and are currently free to list. Most of the offers are posted by universities and concern life sciences. Presently, there are also 56 jobs in the area of geosciences and 2 in religious studies. Job offers can be subscribed by RSS feeds.

At Academia.edu, the price is $300 for posting for 30 days (currently, 14 jobs are shown.) Academia.edu has 1.5 million monthly unique visitors (informed by a mediakit.)

Mendeley.com seems to have no job exchange.

All these job exchanges are comparatively small compared to established exchanges at physicstoday.org or earthworks-jobs.com (which both start at $495 per job post.)

It remains exciting to see whether job exchanges will be reliable for economic success of these social networks, as they were for the newspapers for many decades. At the moment, a job post in the internet is only an enhanced advertisement. It is searchable, linkable, more obvious, more easily subscribed, result-orientated, but paid for by the employer/headhunter. Sites like 1000 Jobbörsen or Superscout, the „social network for jobs“ (where Mendeley is recruiting), and Talents in Berlin point to a changing business model: At Talents in Berlin, companies from Berlin can place job offers for free, paid for by Berlin communal business development.

Miscellaneous

Biomedexperts.com claims to be the „world’s fastest growing scientific social network“, but has grown only from 350,950 to 364,265 profiles since February, i.e. 13,315 or 3.8 % – which is not really much compared to Mendeley and Researchgate. Scholarz.net only informs how much a premium profile will be.

Academia.edu invented a Question & Answer tool that I did not understand completely. They also enhanced their journal TOC alert system („following a journal“), added a full text search, and they promised to pay you for good ideas to improve the functionality of Academeia.edu.

Mendeley’s blog comprises mainly of updates. There are new filters for exporting bibliographies in the specific format of a journal. If you miss a filter, you can write your own in Citation Style Language (CSL) using some XML snippets. A brand new innovation is a wiki for classifications for a more precise use of keywords to describe the contents of your publication.

Researchgate enhanced scientific blogging, whereby articles are selected and edited by researchers for improving content quality. Their profile appearance is also polished.

We see the same task sharing as some months before: Mendeley for literature, Researchgate for scientific facebooking, Academia.edu for organizations, and COSIS.net for business ideas.


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Die erste Million, Marktplätze und Jobbörsen als Erlösmodell: Wissenschaftler-Netzwerke März bis Mai

Researchgate.net hat als erstes der Wissenschaftler-Netzwerke die Millionengrenze an Mitgliedern geknackt, Mendeley.com ist ihm eng auf den Versen, deutlich darunter, aber auch mit konstantem Wachstum Academia.edu. Die Netzwerke nähern sich also möglicherweise der echten Relevanz. Die Tabelle zu dieser Grafik findet sich hier.

Noch immer gibt es bei diesen Dreien aber keine klaren Aussagen, wie denn einmal Geld verdient werden soll. Hierzu hat COSIS.net einen spannenden Beitrag: Es gibt dort jetzt Company-Profile ähnlich denen, die wir aus XING.de und LinkedIn.com kennen, aber spannend angepasst auf Wissenschaftler. Alle Netzwerke bieten naheliegenderweise Jobbörsen – doch auch hier ist noch nicht klar, wohin die Reise geht.

Der COSIS.net Marketplace

COSIS.net bietet in seinem auch teilweise auch ohne Login zugänglichen Marketplace über eine einfache Darstellung von Adressen, Logos und Beschreibungen von Unternehmen hinaus auch an, Produkte-Spezifikationen einzustellen, White-papers zu und Corporate News zu veröffentlichen sowie Stellenangebote online zu stellen. Die letzteren Funktionen lassen sich nur mit einem Premium-Account für 300 € im Jahr nutzen. Das entspricht 25 € im Monat, also etwa der Preisgestaltung von XING und LinkedIn, nur dass bereits 100 Job-Posts inklusive sind.
Im Basis- wie im Premium-Account können sich Angestellte mit Ihrer Firma als Employees verbinden. Alle Mitglieder können „Follower“ einer Company werden und haben dann Veränderungen am Profil ihrer Company in der Timeline stehen.

Ein innovatives Feature, dass ich sonst nirgends gesehen habe, ist ein einfaches Formular „Create Request for Bids and Partnership“, mit dem Ausschreibungen angestoßen werden können. Mit dem Marketplace bietet COSIS.net Instrumenten- und Messgeräte-Herstellern also eine sehr gute Anbindung an mögliche Kunden, da die Geowissenschaftler, die sich vor allem in COSIS.net tummeln, ja richtig viel Geld ausgeben, wenn sie mal ein Messgerät kaufen. COSIS.net fordert damit eingeführte Martkplätze im Geoscience-Bereich heraus, wie den yellowpageartigen Geophysicsmarketplace der SEG, indem COSIS.net die Komponenten der sozialen Netzwerke (Vernetzung/Followers und Nachrichten) zugefügt werden.

Jobbörsen in Wissenschaftler-Netzwerken

Wo viele Profile die beruflichen Erfolge von Menschen beschreiben, liegt es mehr als nahe, dass Arbeitgeber und Headhunter sich dort umsehen. Jobanzeigen lassen sich ebenfalls sehr zielgenau einblenden.

COSIS.net hat die Jobbörsenfunktion in seine Company-Profile integriert. In der Jobbörse, die im April mit dem Marketplace startete, finden sich bislang 68 Jobs. Unter den Company-Profilen finden sich auch einige einschlägige Recruiter, so dass man gespannt sein kann auf mehr. Da 100 Anzeigen in den 300 € für den Premium-Account eingeschlossen sind, sind sie ausgesprochen preisgünstig.

Researchgate kann inzwischen mit 33 Seiten zu je 50 Jobs, also über 1500 Jobs aufwarten. Die Anzeigen sind dort (noch?) kostenlos. Sie kommen interessanterweise vor allem von Universitäten und stammen überwiegend aus den Life Sciences (Medizin und Biologie). Allerdings sind mit 56 Jobs auch ein paar aus den Geowissenschaften dabei und immerhin 2 zu Religious Studies. Sehr praktisch ist, dass man die Jobs (auch fachgebietsspezifisch) als RSS abonnieren kann.

Academia.edu verlangt 300 $ pro Job für 30 Tage. Dafür gibt es auch einen Mediakit, der Zugriffszahlen angibt: 1,5, Mio. monthly unique visitors sollen auf Academia.edu sein. 14 Jobs gibt es immerhin.

Mendeley hat (noch?) keine Jobs.

Alle können es noch lange nicht aufnehmen mit den gut eingeführten, aber auch nicht billigen wissenschaftlichen Jobbörsen bei physicstoday.org oder etwa earthworks-jobs.com, wo die Jobanzeigen oft erst bei 495 $ beginnen.

Es bleibt spannend mit den Jobbörsen, ob sie als Erlösmodell taugen, wie sie es für die Tageszeitungen jahrzehntelang waren. Eine Job-Anzeige im Web war ja nichts anderes als gekaufter Werbeplatz, nur eben besser mit weniger Streuung, Klickraten, tell-a-friend und vielleicht sogar mit Like-Button zum Vernetzen, also besserer Erfolgskontrolle – und mit hohem Komfort für Jobsuchende, die einen Alert-Service bestellen konnten. Webseiten wie 1000 Jobbörsen oder Superscout, das „Social Network für Jobs“  (wo Mendeley inseriert), in Verbindung mit Seiten wie Talents in Berlin deuten darauf hin, dass das Anzeigengeschäft sich auch hier verändern könnte. Auf der Seite Talents in Berlin können z.B. Berliner Unternehmen kostenlos inserieren – bezahlt wird von der staatlichen Wirtschaftsförderung, um die Wirtschaftskraft der Region zu verbessern.

Was sonst so los ist …

… bzw. wo grade nichts los ist: Biomedexperts.com verkauft sich immer noch als „world’s fastest growing scientific social network“, hat gegenüber Februar aber nur von 350.950 auf 364.265 Profile zugelegt, also um 13.315 oder 3,8 %, was angesichts der Steigerungen der oben genannten nicht so viel ist. Überhaupt ist diese leicht veränderte Zahl das einzige, was sich auf der Startseite seit Monaten tut. Auch Scholarz.net hat außer der Mitteilung, dass es zum Teil kostenpflichtig wird, nichts weiter mitzuteilen.

Academia.edu hat ein Question & Answer-Tool erfunden, das sich mir aber noch nicht so erschließt.

Mendeleys Blog ist wie immer gut gefüllt, wenn auch diesmal mehr mit Meldungen über Updates. Unter anderem gibt es viele neue Filter, um die gefundene Literatur schnell in das gewünschte Format eines bestimmten Journals zu bringen. Und wenn das Format tatsächlich von Mendeley nicht angeboten wird, kann man sich den Filter mit etwas XML in einer neuen Sprache namens Citation Style Language (CSL) selbst schreiben. Richtig neu ist die Einführung einer Art Wiki für die Klassifizierung, also die Defintion von Tags, mit denne man seine Publikationen erschließen kann.

Researchgate hat das wissenschaftliche Bloggen (wie man die Promotion der eigenen Arbeit zeitgemäß nennt) weiter vorangetrieben, von Außenstehenden ausgewählt und redigiert – und auch nach Fachgebieten gegliedert. Hier wird also fleißig redigiert, um die Qualität zu erhöhen, da sich in den Gruppen nicht immer Spannendes tut. Die Profile sind auch noch einmal frisch überarbeitet worden.

Die Social-Media-Integration ist dort auch weitergegangen, leider geht es grade etwas weit, da meine zahlreichen Netzwerke, die man wunderschön miteinander verknüpfen kann, jetzt anfangen Ping-Pong zu spielen. Wenn ich in diesem WordPress-Blog auf „Publizieren“ drücke, löst dies inzwischen gleich 4 Einträge auf Researchgate aus – ohne dass RG explizit meinen Blog kennt: Das landet über Twitter, Facebook und LinkedIn dort. Facebook wiederum macht aus der Researchgate-Meldung (aus Twitter) wieder einen Facebook-Eintrag und natürlich eine Twitter-Meldung usw. Nach einer Weile merken sie das allerdings und verlieren glücklicherweise die Lust …

Es bleibt also erstmal bei der gewohnten Aufteilung: Mendeley für Literaturverwaltung, Researchgate zum wissenschaftlichen Facebooken und Academia.edu für die Abbildung von Institutionen, COSIS.net für die Vermarktungsideen.


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2. Berliner Kolloquium Digital Humanities: GeoTools für Historiker und der Behaim-Globus

Beim zweiten Kolloquium versammelten sich diesmal gut 35 Interessierte im Berlin-Dahlemer Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte. Es gab zwei Vorträge zur Verbindung von Geschichtsforschung und Geografie. Das nächste Treffen soll voraussichtlich schon in drei Wochen sein und es soll ein Veranstaltungsort in Berlin-Mitte gefunden werden, um die Anreise zu erleichtern. Der erste Vortrag drehte sich um ein geniales Online-Tool für geografische Forschungen von Historikern:

Mappit: Werkzeug für geografische Analysen

mappit ScreenshotDagmar Schäfer, Forschungsgruppenleiterin im genannten Institut, berichtete unter dem Titel Von mindmaps zu Daten-mapping: wie digitale Medien die sinologische Forschung veränderten insbesondere über die im Institut entwickelte Software Mappit (map Places In Time), die als reine Webanwendung programmiert ist und auch anderen Forschern offen steht. Kurz gesagt kann ein Wissenschaftler mit diesem Tool mehrere Excel-Tabellen mit Geokoordinaten hochladen und die darin enthaltenen Punkte auf einer Karte (auf Google-Maps-Basis) vergleichen. Dr. Schäfer führte dies an einem Beispiel aus gegenwärtigen Projekt vor: Sie hatte einen Liste von Orten mit bestimmten Eigenschaften erstellt und hat diese mit einer aus dem CHGIS von Harvard verglichen. So konnte sie sehen, wo es Überschneidungen bzw. Deckungsgleichheiten gab.

Im Beispiel verglich sie Orte der Yuan-Dynastie (1279-1368), in denen es laut Gewerbe-Stele ein „Dokumentationsbüro“ gab, mit Daten über Städte aus dieser Zeit (aus verschiedenen Datenbanken) und fand so Hinweise, dass dieses „Büro“ – wohl eine Verwaltungseinrichtung – ein Hinweis darauf ist, dass es sich bei der Ortschaft um eine Stadt gehandelt hat.

So lassen sich auch Tabellen aus literarischen Texten, z.B. Reiseberichten, mit Geolokationen aus anderen Forschungen in verschiedenen Layern übereinanderlegen und es lässt sich mit einem Blick erkennen, ob es irgendwo Übereinstimmungen gibt, selbst wenn Orte den Namen oder zumindest die Schreibweise gewechselt haben.

Zusätzlich kann auch nach Zeiträumen differenziert werden. Alles in allem ein ausgesprochen spannendes und extrem einfach zu bedienendes Werkzeug, das das MPI hier der Forscherwelt zur Verfügung stellt. Ein Gast-Login mitsamt Test-Dateien zum Ausprobieren ist freigeschaltet, es gibt noch viel mehr Features zu entdecken, die ich hier nicht beschreiben habe. Soweit der erste Vortrag.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch das GeoTagging von COSIS.net, das Georeferenzen zu Publikationen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenbringt und damit interdisziplinäre Forschung ermöglicht. Eine andere Verknüpfung von Forschungspublikationen und Geodaten gibt es z.B. bei Pangaea, einer Datenbank für geologische Bohrproben, die zu den entsprechenden Artikeln in Publikationsdatenbanken verlinkt.

Wem fallen ähnliche Anwendungen ein – das wäre mal einen eigenen Blog-Artikel wert.

Der Behaim-Globus in Informatikerhand

Günther Görz, Professor für Informatik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und derzeit Gastforscher am Dahlemer Institut berichtete über seine Forschungen zum Behaim-Globus unter dem Titel Semantische Tiefenerschließung mittelalterlicher (Welt-) Karten am Beispiel des Behaim Globus (1492).

Der ältestes erhaltene Globus der Welt im Germanischen Nationalmuseum enthält nicht nur wie heutige Globen entweder Informationen zur Lokation von Ländern und Städten, also politische Daten, oder topografische Daten über die geologische Beschaffenheit der Erde. Er kombiniert eine Reihe unterschiedlicher Informationen aus heute gewöhnlich getrennt dargestellten Wissensgebieten wie der Biologie (Tierarten, Pflanzen), touristischen Informationen, Gewürzen und anderen Handelsgegenständen, Religionen – es finden sich auch allerlei Miniaturen (auch Monster, Kuriositäten und Wunder) sowie 50 längere Inschriften (z.B. Marco-Polo-Zitate, Strabo) von mindestens 6 verschiedenen Händen.

Im aktuellen Forschungsprojekt soll der Globus neu digital fotografiert werden, möglichst mit Multispektraltechnik und ggf. weiteren Verfahren, denn es gibt bisher nur analoge Aufnahmen aus den 90er Jahren. Im nächsten Schritt entsteht eine Ontologie des Globus, er wird also maschinenlesbar semantisch und semiotisch beschrieben werden, um ihn dann aus verschiedenen Perspektiven befragen zu können.

Für diese Beschreibung wird die Referenzrahmen CIDOC CRM genutzt werden: das Conceptual Reference Model des Conseil International des Musees, eine inzwischen zum ISO-Standard 21127 erhobene Sammlung von Klassen zur Beschreibung von Museumsobjekten, das unter anderem schon im Nürnberger Germanischen Nationalmuseum verwendet wird. Durch diese objektorientierte Beschreibung eines Gegenstandes und seiner Eigenschaften und Bezüge wie Typ, Orte (Entstehung, Fund, Ausstellung …), Maße, seiner Events (Herstellung, Ergänzung, Auffindung, Restaurierung …), Akteure (Auftraggeber, Hersteller, Käufer …) usw. gelingt es, Museumsgegenstände so zu beschreiben, dass Sie anderen Datenbanken, Suchmaschinen, Repositorien zugänglich gemacht werden können, z.B. für den Export zur Europeana, wie ihn Marlies Olensky beschrieben hat (Danke für die eindrückliche Grafik!). Soweit der Vortrag.

Eine knappe, leicht verständliche deutschsprachige Darstellung des mit CIDOC CRM verwandten LIDO-Formates durch Regine Stein und Gisela Schulte-Dornberg findet sich übrigens hier.

Der Globus ist ein frühes Zeugnis für das Bestreben, Information georeferenziell anzuordnen, was wir auch aus der Blütezeit er Kartografie des 19. Jahrhunderts kennen – und was wir gerade in neuer Dimension mit LBS (location based services) und mobile Internet ein echtes Trendthema ist – wie oben angemerkt, auch in den Wissenschaften.

Alles in allem war es wieder ein lehrreicher Abend und ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

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Wissenschaftler-Netzwerke im Februar: Facebook rockt

Im Februar ist wieder einiges passiert: Researchgate.net und Scholarz.net haben eine neue Oberfläche, COSIS.net neue Journale im Peer Review System und kann jetzt auch Einiges auf Deutsch. Mendeley und ResearchGATE liefern sich weiterhin ein Kopf-an-Kopf-Rennen und melden jeweils etwa 800.000 Accounts – Mendeley gibt darüber wie immer in dem schönen Ticker Auskunft:

Trend: Facebook- und Twitter-Einbindung

Der aktuelle Trend scheint darin zu bestehen, dass die Netzwerke sich mit den anderen verbinden, Wissenschaftler-Netzwerke also Verknüfpungen zu Facebook- und Twitter-Accounts anbieten. Bei ResearchGATE kann man sich mit Accounts bei diesen Netzwerken sogar einloggen, desgleichen bei Academia.edu. Letztere laden auch gleich ein, doch mal die Freundesliste bei Facebook zur Jagd freizugeben. Mendeley bietet an dieser Stelle Drupal- und WordPress-PlugIns sowie Apps für Mobiltelefone. Hier lohnt sich ganz gewaltig die Veröffentlichung der API im August letzten Jahres, die offensichtlich viele Entwickler angeregt hat, Bibliotheken für Twitter-Mashups, Drupal und sogar für Elsevier’s Sciverse zu schreiben, um damit zusätzliche Impact-Messungen zu ermöglichen. Über die einfache Einbindung bei der Registrierung einer Publikation hatte ich schon letztes Mal geschrieben, und Mendeley ist nach wie vor das einzige Netzwerk mit eigener iOS-App.

Und das ist nicht alles, was Mendeley an Integration anderer Seiten bietet: Mendeley hat auch OpenURL integriert, damit der Leser, der in Mendeley ein interessantes Paper entdeckt, einen direkten Link zum Volltext aus seiner Institusbibliothek bekommen kann. So muss der Lesewillige sich nicht erst bei seiner Bibliothek einloggen und den Text dort suchen, sondern kann die Link-Resolver seiner Universität nutzen (sofern einer vorhanden), um direkt zum Volltext zu klicken.

Richtig kräftig an Facebook dran ist ResearchGATE, das die Oberfläche von Facebook so stark adaptiert hat, dass es mich nicht wundern würde, irgendwann von einer Übernahme ins Zuckerberg-Imperium zu hören. Wer Facebook kennt, kommt sofort mit der neuen Oberfläche klar, ist einfach nur alles in ResearchGATEs Giftgrün. Das zeigt, wie stilbildend Facebook geworden ist – nicht zu unrecht wie ich finde, es hat wirklich eine klare Oberfläche, bei der der eigenen Content gut zur Geltung kommt.

Marktdurchdringung erreicht?

Einiges anregende Echo hat die Liste der Netzwerke hier auf der Webseite erhalten. Diese Liste, deren Grundlage die Studie „Wissenschaft und Social Network Sites“ der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist, ergänzt um einige Funde von mir, hat ein gewisses systematisches Problem: Es gibt Netzwerke wie Biomedexperts oder cos.com, die mit automatisch generierten Profilen arbeiten oder bei denen die Profile ein Nebenprodukt eines anderen, nämlich eines Reference Managers sind. Ansatzweise gilt dies auch für Mendeley, bei dem man User ist, wenn man die Software nutzt – ohne sich wirklich mit anderen austauschen zu wollen im Sinne eines „sozialen“ Netzwerkes. Nützlich an diesen Zahlenspielen ist vor allem, zu erkennen, ab welchen Größenordnungen wir von einer Marktdurchdringung reden können. Drei Zahlen sollen das verdeutlichen:

  • Biomedexperts hat 1,8 Mio. automatische generierte Profile nur aus den Life Sciences.
  • COSIS.net hat 70.000 Mitglieder nur aus den Geowissenschaften, die größte Fachgesellschaft in dieser Disziplin, die American Geophysical Union (AGU), hat knapp 60.000 Mitglieder.
  • RefWorks COS gibt 2,4 Mio. Mitglieder aus allen Disziplinen an.

Ich schätze, dass sich daraus schließen lässt, dass bei einzelnen Disziplinen im hohen fünfstelligen bis hohen sechsstelligen Bereich von einer Marktdurchdringung gesprochen werden kann. Bei Netzwerken, die alle Disziplinen abdecken, wäre wohl im mittleren einstelligen Millionen-Bereich mit einer Marktdurchdringung zu rechnen, wenn man davon ausgeht, dass, einschließlich der Geisteswissenschaften, mit ungefähr 10 Mio. aktiven Forschern zu rechnen wäre. Mendeley und ResearchGATE sind auf bestem Wege dorthin und müssten ungefähr Ostern die Millionengrenze überschritten haben.

Weitere Netzwerke

Scholarz.net ist nach ungefähr einem Jahr wieder zu Leben erwacht und hat ein schickes neues Design – lustigerweise erinnert es an die Kartei-Reiter des alten ResearchGATE-Design. Besonderheit an Scholarz.net war immer, dass Forschungsprojekte das zentrale Feature waren – etwas, das die anderen Netzwerke so nicht kennen: Mendeley hat den Schwerpunkt auf Literaturverwaltung, ResearchGATE auf facebookartige Vernetzung, Academia.edu auf Darstellung von Instituts-Hierarchien, nature network auf Apps. Außerdem hat Scholarz.nez etwas zu seinem Geschäftsmodell gesagt: es lassen sich jetzt Premium-Accounts buchen. Und es gibt vage Ankündigungen zu Angeboten für Schüler und Lehrer.

Academia.edu meldet nunmehr 275.000 Mitglieder,nach 250.000 im Januar, also 10 % Wachstum innerhalb eines Monats. Mit neuen weiteren Nachrichten hält sich Academia.edu allerdings äußerst bedeckt. Die Jobbörse ist an eine etwas prominentere Stelle gerückt: 300 $ soll eine Anzeige pro Monat kosten. 17 Jobs sind ausgeschrieben, davon sind 13 älter als drei Monate. Da ist also noch Potenzial.
Die ganzen an die Netzwerke angeschlossenen Jobbörsen wären mal ein Thema für eine der nächsten Ausgaben.

Nichts Neues gibt es nach wie vor bei nature network, bei COS Expertise und RefWorks . Biomedexperts zeigt jetzt 350.950 freigeschaltete Profile statt 344.054 Ende Januar.

COSIS.net hat seinen B2B-Bereich gelauncht und ist damit eines der wenigen Netzwerke mit klaren Aussagen zum Geschäftsmodell jenseits von Anzeigen und Premium-Profilen. COSIS.net finanziert sich durch Nutzung der integrierten Apps: vor allem ein Peer Review-System, das auch Public Peer Review beherrscht sowie die Redaktion und Produktion von Büchern, und ein System für Konferenzmanagement, mit dem sich Tagungen mit über 10.000 Beiträgen verwalten lassen. Neu hinzugekommen als Nutzer des Peer Reviews sind die Zeitschriften Carbon and Climate Law Review (CCLR) und Journal of Renewable Energy Law and Policy (RELP) des Berliner Lexxion-Verlages. Damit wird die Geowissenschaftler-Community in COSIS.net um Juristen und Politiker erweitert, die sich mit geowissenschaftlichen Themen beschäftigen und in COSIS.net die passenden Experten finden. Außerdem hat COSIS.net eine weitere Nutzerkategorie eingeführt: Journalisten können sich akkreditieren und erhalten demnächst exklusive Suchfunktionen. Und das Peer Review System bietet jetzt auch Manuskript-Upload auf Deutsch und wahlweise anderen Sprachen und Fachterminologien an – weitere Module sind in Umstellung.

Soweit für heute.

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Tuned E-Books. Multimedia, interaktiv, ortsbezogen – die Zukunft des digitalen Publizierens?

In der historistischen, holzgetäfelten Bibliothek des Berliner Rathauses Schöneberg fanden sich am Dienstag, 15. Februar 2011 abends gut 25 Menschen ein, um über aktuelle Entwicklungen beim E-Book zu sprechen. Eingeladen hatte der Bezirksbürgermeister bzw. die Schöneberger Wirtschaftsförderung, die uns gut bewirtete, organisiert wurde es für mstreet von den beiden Inhabern von culture-to-go, Dr. Michael Müller und Jörn Brunotte.

Keynote – Detlef Bluhm

Der Autor und Geschäftsführer des Berliner Landesverbandes des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels betonte, dass er die Keynote als Autor und nicht als Vertreter des Börsenvereins hielte. Das ließ aufhorchen und machte den Vortrag (ja, Vortrag, keine Präsentationsfolien!) gleich viel spannender.
Bluhm wunderte sich, wie lange das E-Book von der literarischen Vision bei Stanislaw Lem 1961 bis zu seiner beginnenden Marktdurchdringung 2011 gebraucht habe: immerhin 50 Jahre, ein halbes Jahrhundert. Der Autor recherchierte 2007 gerade für ein Buch zur Kulturgeschichte des Plagiates, als Amazon den ersten Kindle und 90.000 E-Books dafür auf den Markt brachte. Er begriff dies als eine Medienrevolution und veränderte seine Recherchen, so dass schließlich 2009 das Werk Von Autoren, Büchern und Piraten: Kleine Geschichte der Buchkultur daraus hervorging.
Im März 2009 wurden bereits 280.000 Titel als E-Books angeboten. Der wissenschaftliche Springer-Verlag bietet derzeit neben 80.000 gedruckten Büchern auch 40.000 E-Books an, erzielte im Jahr 2010 immerhin 165 Mio. Downloads und generiert 50 % seines Umsatzes mit elektronischen Produkten. Und er geht davon aus, dass in ca. 5 Jahren überhaupt keine gedruckten Werke mehr bei ihm erscheinen.
Solche Umbrüche würden im Feuilleton kaum wahrgenommen, das sich an den noch viel zu geringen E-Book-Verkäufen im deutschen Consumer-Markt orientiere.
Die bisher niedrigen Verkäufe lägen zum einen am inzwischen unübersichtlichen Markt und umständlicher Handhabung, zum anderen daran, dass Amazon bisher in Deutschland kaum nennenswert präsent gewesen sei (was sich aber innerhalb der nächsten Wochen gewaltig ändern solle). Viel problematischer seien allerdings die Preisvorstellungen der deutschen Verleger, die die E-Book-Preise bei ca. 80 % des Preises für das gedruckte Buch etablieren wollten. Dieses Pricing stoße praktisch überall außerhalb des Buchhandels auf blankes Unverständnis. Schließlich müsse man keine Materialien mehr verbrauchen und durch die Gegend fahren. Außerdem könne man das E-Book nicht verleihen, wieder verkaufen oder auch verschenken.
Aktuell ginge die Diskussion sehr stark um die Marktetablierung des E-Books, das einfach nur eine elektronische Fassung des gedruckten Werkes sei. Angesichts der vielfältigen Lesegeräte wie etwa der Tablet-Computer, allen voran Apples iPad, tritt seit letztem Jahr die Frage nach angereicherten, enhanced, enriched oder tuned E-Books in den Vordergrund.
Das konventionelle (E-)Buch werde alsbald von angereicherten Medien abgelöst, die außer Text und Bildern auch Videos und 3D-Darstellungen anbieten, wie etwa vom Autor Jürgen Neffe mit seinem Konzept Libroid gerade propagiert.
Momentan stehen aber auch hier Preisvorstellungen der Rechteinhaber einer Umsetzung in größerem Umfang entgegen, etwa wenn der NDR bei einem jüngst geplanten Projekt immer noch 380 € Lizenzgebühren für ein 5-Minuten-Video in einem enhanced E-Book erlösen wollte.

Technik und Trends – Johannes Haupt

Ich übergehe in meinem Bericht die kurzweiligen Ausführungen zu analogen Vorgängern von enhanced books und auch die Erläuterungen über die Geräteklassen, die sich vor allem beim Display unterscheiden – hintergrundbeleuchtet wie Computerbildschirme oder E-Ink wie beim Kindle.
Interessant dabei ist vor allem, dass Apple in wenigen Monaten 10 Mio. iPads verkauft hat, viel mehr als Amazon Kindles in 3 Jahren. Mit Apples Geräten sind Videos, Computerspiele und vieles andere möglich und das alles ganz gut tragbar. Hier sei die Spielwiese der Enhanced E-Books, die auf E-Ink-Displays (zu langsam und bisher nur schwarzweiß) nicht funktionieren.
Der eigentlich neue Trend ist das Social Reading. Zum einen auf dem Kindle (und den Kindle-Apps auf iPhone, Android und klassischen Computerbetriebssystemen), zum anderen auch in anderen Apps wie denen von textunes, bei denen ich auch Textpassagen aus der App heraustwittern kann. Auf dem Kindle kann ich inzwischen Markierungen nicht mehr nur für mich machen, sondern auch für andere freigeben, anonym oder nicht – und mir einblenden lassen, wie viele Leser desselben Buches eine bestimmte Stelle markiert haben. So könnte auch ein Lehrer einmal seinen Schülern seine Notizen zu einem Werk zur Verfügung stellen.
Sascha Lobos Roman-App „Strohfeuer“ lässt es zu, dass aus der App heraus Fragen an den Autor gestellt werden können. Immerhin sind 35 Leserfragen zusammengekommen, deren Antworten man auf Lobos Webseite nachlesen kann.
Auch sonst sind Konvergenzen zu beobachten, so bietet Amazons Kindle inzwischen auch Kindle-geeignete Spiele an.
Nicht zuletzt kommt Augmented Reality ins Spiel bei der App „Books around“: Hier können Leser literarische Orte eintragen. (Leider ist da seit Veröffentlichung im November 2010 noch überhaupt nichts dazugekommen, also wohl eine Totgeburt – AMS.)
Die Vortragsfolien gibt es auf Lesen.net.
Kurzum: Es bleibt gerade ausgesprochen spannend.

Nach einer gründlichen Pause mit allerlei angenehmen Gesprächen, z.B. mit @ebookstr und @beamebooks und  ging es dann weiter mit einer Podiumsdiskussion, die allerdings eher eine moderierte Produktpräsentation war, was dem Ganzen jedoch keinen Abbruch tat, sondern sich als ausgesprochen informativ herausstellte:

Interaktiver Roman bei Aufbau

Markus Thie, Verkaufsleiter des Berliner Aufbau Verlages, stellte das Konzept des interaktiven Romanes vor, dass sich mit Mitteln des epub-Formates darstellen ließ, so dass der Leser sich auf verschiedenen Wegen durch die Romanstoffe lesen könne und damit gewissermaßen jeder Leser ein anderes Buch lese.
Es handelt sich um den Thriller „Glanz“ von Karl Olsberg, der die Gefangenschaft in einer Art Computerspiel beschreibt. Hier war also ein passender Stoff eines passenden Autors, was sich für dieses Experiment anbot. Der Leser kauft das E-Book entweder separat oder er kauft das Buch und bekommt das E-Book gratis dazu – über einen Freischaltcode im Buchdeckel. Am 15. März wird das Experiment auf der Buchmesse vorgestellt.

Reise- und Museumsführer bei culture-to-go.de

Michael Müller von culture-to-go sprach über seine Erfahrungen mit Reise- und Museumsführern. Recht viele seien als iPhone-Apps erschienen, wie eine kurze Recherche im App-Store zeigt. Es gibt erste „enhanced“ Reiseführer wie die „Ostseestädte“ des Trescher-Verlages bei textunes.
Erstaunlicherweise werden hier von Museen immer noch eher lineare Führer bestellt, angelehnt an das sehr erfolgreiche Konzept der Audioguides. Diese ließen sich auf über epub und ähnlich Formate relativ leicht realisieren, hätten aber aufgrund der Bildlastigkeit immer wieder unschöne Umbrüche.
Spannender seien eigentlich Datenbank-Anwendungen, allerdings auch schwieriger zu realisieren.

Das E-Schulbuch im „Nachmittagsmarkt“ bei Cornelsen

Auf der Plattform „lerncoachies.de“ hat der Berliner Schulbuchverlag Cornelsen Schulbücher digital dargestellt und angereichert. Kinder sehen hier die Original-Seiten aus dem am Vormittag genutzten Schulbuch und können die Übungen online durchführen, erhalten Feedback, ob sie die Aufgaben richtig gelöst haben und können sich vertiefende oder unterstützende Texte und Videos zu Hilfe holen. Diese Funktion wird von Eltern für einstellige Euro-Beträge pro Monat abonniert. Christine Hauck und ihr Team haben dieses Projekt sehr eng mit Eltern zusammen entwickelt und es wird sehr gut angenommen: Sie bekommen bisweilen das scherzhafte Feedback, dass sie „Familienfrieden verkaufen“ würden.
Da Deutschland laut OECD mit der technischen Ausstattung der Schulen Schlusslicht ist, am Nachmittag aber den Schülern beste Computer-Ausstattungen zur Verfügung stehen, bot es sich an, den elektronischen Markt von hier aus aufzurollen.
Über „klassische“ E-Books auf mobilen Geräten denkt Cornelsen nach, findet aber im aktuellen epub-Format in den meisten Fällen keine zufriedenstellende Lösung, da bei Schulbüchern das Doppelseiten-Layout Teil des didaktischen Konzeptes ist und der Neuumbruch auf den unterschiedlichen Gerätegrößen gerade dieses zerstören würde. Die Entwicklung von epub 3 und den sich dort bietenden Layout-Möglichkeiten wird jedoch aufmerksam verfolgt.

Alles in allem ein informativer Abend, eine gelungene Auswahl der Referenten. 2011 verheißt in Sachen E-Book tatsächlich spannend zu werden – welche der prognostizierten Megatrends werden sich tatsächlich durchsetzen?

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Offene Forschungsdaten sind nicht alles

ECHO

1. Berliner Kolloquium für Digital Humanities

Am Mittwoch, 15.02.2011 trafen sich um die 60 Interessierte – einige extra angereist – im Konferenzsaal des Max-Planck-Institues für Wissenschaftsgeschichte in der Dahlemer Boltzmannstraße.

Der Direktor des Institutes, Prof. Jürgen Renn, eröffnete die Veranstaltung, die jetzt etwa alle 6 Wochen stattfinden soll, mit einem Vortrag unter dem Titel „Digital Publication and Open Access“, freundlicherweise auf deutsch.

Er stellte vor allem 2 Projekte seines Institutes vor:
1. ECHO – European Cultural Heritage Online.
2. Eine Open-Access-Quellenreihe, die Edition Open Access.

ECHO ist ein ein internationales Projekt, das digitale Quellen zu allen wissenschaftsgeschichtlichen Disziplinen, die mit europäischem Kulturerbe zu tun haben, zusammenführt. Aus Deutschland tragen ca. 40 Institutionen Ihre Schätze bei, darunter auch die berühmten Forschungsbibliotheken wie die Anna Amalia Bibliothek in Weimar oder die Wolfenbüttler. Aus den USA kommen 17 Institute dazu, eines immerhin aus der Mongolei, zusammen sind es derzeit 24 Länder. Die Inhalte wie auch die zugrunde liegende Software stehen unter Open-Access-Lizenzen.

Die Erschließung ist dabei erheblich anspruchsvoller als etwa bei dem verwandten Projekt der Europeana: Die Quellen werden nicht nur als Faksimile abgebildet und über Bildbrowser gut zugänglich gemacht, sie sind meist auch als maschinenlesbare Texte vorhanden und sie sind oft sogar morphologisch erschlossen und auf Wörterbücher verlinkt, so dass auch danach gesucht werden kann. Die zugrundeliegende XML-Instanz lässt sich ebenfalls ansehen. Seit dem Projektstart 2002 sind erstaunliche Mengen zusammengetragen worden. Verknüpf werden die Quellen dann z.T. mit Visualisierungstools wie ChinaGIS, um etwa den Verlauf von Forschungsreisen abzubilden.

Die nächste Herausforderung sei ein digital scrapbook, mit dem sich Diskussionen und Gedankenschnipsel zu Quelleninterpretationen festhalten und verknüpfen lassen sollen.

Außer dieser rein digitalen Quellendarstellung hat das MPI-WG noch die Buchreihe Edition Open Access gegründet, um preisgünstige Quellenausgaben in Buchform herzustellen. Der erste Band ist elektronisch mit OpenAccess-Lizenz online einsehbar und herunterladbar als PDF und E-Book im epub-Format. Die gedruckte Ausgabe ist beim Berliner book-on-demand-Verlag epubli für unter 20 Euro zu erstehen. Gerade vor ein paar Tagen ist auch ein zweiter Band erschienen.

Wie bei ECHO ist die bei dieser Produktion verwendete Software und die Workflows ebenfalls Open Access oder besser Open Source. (Ob nun TeX als Satzsystem mit seiner eingeschränkten Unicode-Fähigkeit allerdings ein zeitgemäßes Werkzeug ist?)

Ein großes internationales Editorial Board sichert die Qualität; die zu veröffentlichenden Bände müssen von diesen Wissenschaftlern vorgeschlagen werden.

Annett Gries von kunsttexte.de stellte in der Diskussion die spannende Frage, was der erste Band denn nun gekostet habe. Jörg Kantel, der Leiter des MPI-WG-EDV-Service und maßgeblicher EDV-Spezialist für dieses Projekt, schätzte ungefähr 23 Mannwochen. (3 Wochen × 5 Personen für das Buch + 4 Wochen × 2 Personen für Webseite). Bei 1000 € pro Personenwoche also mindestens 23.000 €. Das sei durchaus günstig, wenn man die Publikationskosten einer Open-Access-Monografie eines angesehenen Verlages damit vergleiche, die bei immerhin 30.000 € angesetzt seien, wie ein anderer Diskutant ergänzte – und die meiste Arbeit an den Workflows ja wiederverwendbar sei.

Pantheon RomDen zweiten Vortrag des Abend hielt einer der Sprecher des Excellenzclusters TOPOI, Gerd Graßhoff, Professor für Wissenschaftsgeschichte der Antike an der Humboldt-Universität zu Berlin). Er betitelte seine Ausführungen mit „Digital Data in a scholarly world“ und berichtete über die Rezeption einer ganz anderen Art von Quellen, nämlich den 3D-Daten einer gründlichen Laservermessung des römischen Pantheon: www.digitalpantheon.ch/.

Auch muss die „Zitierbarkeit“ der Datenmenge gewährleistet bleiben, und es kann nicht im Laufe der Zeit das Koordinatensystem umgestellt werden.

Ähnliche Hürden der Fremdnutzung von Forschungsdaten haben sich bei der radiologischen Nutzung z.B. des Mechanismus von Antkythera ergeben. Trotz riesiger Bildmengen kann aus diesen nicht einmal einfach erschlossen werden, aus wie vielen Zahnrädern der Mechanismus denn bestehe.

Auch hier zeigte sich leise Enttäuschung über die Rezeption dieser frei zugänglichen unglaublichen Datenmengen (mehrere Gigabyte) und es wird deutlich, wie viel mehr Aufwand noch getrieben werden muss, damit diese Daten für verschiedenste Anwendungsfälle, etwa Bauwerksvergleiche, überhaupt handhabbar werden. Hier fehlen letztlich Tools zum Messen des Abstandes oder des Umfanges von Säulen, um die Rezeptionsgeschichte des Bauwerkes besser zu erfassen.

Auch seien die Ergebnisse oft mit kostenpflichtiger Software wie Mathematica etc. aufgearbeitet, für dies es mitunter keinen freien Browser geben – die Ergebnisse also nur mit Investition in die entsprechende Software weiterverarbeitbar sind.

Insgesamt beklagte beide Referenten eine mangelnde Rezeption Ihrer Quellen und auch eine mangelnde Verlinkung der Sekundärliteratur mit den Quellen, haben aber auch die Ursachen erkannt und arbeiten daran, dies zu ändern. Ein Beitrag in der anschließenden Diskussion fand allgemeinen Beifall: Bei der Bibliotheksführung zu Beginn des Studiums müssten vor allem auch die digitalen Quellen eingeschlossen werden – und die Studierenden gezwungen werden, ihre Quellenangaben zu verlinken.

Es gibt also bei der Wiederverwertbarkeit dieser nun endlich freien Quellen (Forschungsdaten) noch eine Menge zu tun.

Insgesamt ein aufschlussreicher Abend über die praktischen Fragestellungen zum aktuellen Hype-Thema „offene Forschungsdaten“ (Data sharing). Ich bin gespannt auf die Fortsetzung der Veranstaltungsreihe.

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Wissenschaftler-Netzwerke im Januar: Mind the Gap

Von jetzt an gibt es hier den monatlichen Bericht, was sich in Sozialen Medien für Wissenschaftler so tut. Dabei geht es um deren Pressemeldungen, neue Features, und soweit publiziert, die Mitgliederzahlen und sonstige Vergleichsmerkmale.

ResearchGATE.net zeigt heute auf der Startseite, dass „über 700.000 Wissenschaftler“ (woher wissen die, dass das alles Wissenschaftler sind?) Mitglieder sind. Zwei Accounts sind immerhin von mal von mir.
Der ResearchBLOG bietet 2 Einträge im Januar: Im ersten beklagen die Gründer von ReserchGATE eine „legacy gap“, der Forscher an Web 2.0-Nutzung hindere. Interessant zu lesen, und reizvoll zu widersprechen. Mit vielen spannenden Grafiken meinen die Autoren nachzuweisen, dass die Wissenschaftler zurückhaltend in der Web 2.0-Nutzung sein. Das wissenschaftliche Publizieren hinke 20 Jahre hinter dem „Other publishing“ („tweets, blogs, wikis, rich media“) hinterher. Das ist natürlich Unsinn: Im nichtwissenschaftlichen Publishing gibt es immer noch kein Open Access, keine Nationallizenzen und dergleichen. Themen wie Kulturflatrate werden ja fast nur in linken Kreisen (attac, Piraten) diskutiert. Insofern ist man im wissenschaftlichen Publizieren erheblich weiter, dort kann sich kaum ein Verlag mehr leisten, kein Open Access anzubieten. Und wer meine Vorträge kennt, weiß, dass ich natürlich immer vom Erfolg des Journals Athmospheric Chemistry and Physics schwärme, das sich durch öffentliche Diskussion der Artikel vor der finalen Veröffentlichung eine Reputation erworben hat, die die etablierten A-Journals überrundet hat. Es gibt also sehr wohl Web 2.0-Erfolge – nur halt bei der Konkurrenz von ResearchGATE. (Hier die Frage an die Leser: Wem fallen ähnliche Erfolge der Zusammenarbeit von Wissenschaftlern im Web ein, jenseits von Twitter & Co.?)

Der zweite Blog-Beitrag besteht aus einem englischen Abstract einer deutschsprachigen Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften: Wissenschaft und Social Network Sites. Steckbrief 5 im Rahmen des Projekts Interactive Science. Die 54-seitige Studie bietet interessante Tabellen/Übersichten zum Thema, ist in ihrer Schlussfolgerung (S. I) allerdings nicht wirklich originell:

Der akademischen Verwendung von SNS steht eine Reihe von Hindernissen entgegen, insbesondere der zusätzliche Zeitbedarf, der einem für das Individuum noch nicht sofort erkennbarem Nutzen gegenübersteht. Andererseits ist zu betonen, dass SNS durchaus prinzipiell funktional für die wissenschaftliche Kommunikation und Kooperation sein können.“

Im Pressebereich von ResearchGATE gibt es wie bisher seit September letzten Jahres nichts Neues.

Mendeley.com erfreut sich wieder reichlichen Zuwachses, wie immer verpackt in den schönen Ticker:

Damit verstärkt sich der Trend der letzten Monate, dass Mendeley den Leuten von ResearchGATE immer eine Nasenlänge voraus ist.

Als neues Feature bei Mendeley gibt es jetzt eine Twitter-Integration. Mendeley schickt über meinen Twitter-Account Nachrichten, wenn ich eine Publikaiton hinzufüge oder irgendetwas gut finde (like). Die Funktion ist natürlich konfigurierbar.

Academia.edu hat jetzt 250.000 Mitglieder, nachdem monatelang 211.000 angezeigt wurden. Auf der persönliche Startseite gibt es jetzt eine timeline mit den neusten Posts und Zeitschriftenartikeln passend zum eigenen Profil. Nicht uninteressant, insgesamt aber wohl nicht viel los; von meiner alten Hochschule, der HTWK Leipzig, bin ich immer noch der einzige. Immerhin sollen 2 Leute auf meiner Seite gewesen sein. Außerdem scheint es neuerdings Job-Angebote zu geben, immerhin fünf im letzen Monat und über die Anzeigen-Möglichkeiten auch Mediadaten; immerhin 1 Mio. unique monthly visitors soll es geben und damit erheblich mehr als bei einer Reihe anderer aufgeführter akademischer Stellenbörsen. 30 Tage kosten 300 $. Sehr viel spannender ist dann doch naturejobs.com, auf das die Mediadaten von von Academia.edu verweisen. Bei Nature kosten die posts anscheinend nichts, was zu einem Angebot von immerhin 6.475 Jobs führt.

Nichts Neues gibt es nach wie vor bei scholarz.net; der letzte Blog-Eintrag ist vom 15. März des letzten Jahres. Auch unverändert scheint die Startseite von cos.com. In COS Expertise soll es nach wie vor 480.000 Profile geben, auf der Startseite schon 500.000 Profile. Auf RefWorks COS werden immerhin 2,4 Mio. Profile versprochen, ein paar Absätze später sind es nur noch 2,3 Mio.

Das nature network ist von der Startseite von nature.com aus nicht mehr verlinkt. Es verspricht immer noch „Productive collaboration with over 25,000 colleagues“. Also angesichts des enormen Potentials bei Nature wohl nicht so ganz ein durchschlagender Erfolg.

Biomedexperts.com bietet wie bisher 1,8 Mio. Profile aus dem biomedizinischen Bereich, allerdigns haben davon 344.054 nur ihr Profil tatsächlich freigeschaltet. Der Hersteller Collexis verkündet auf seiner Homepage auch nur als letzte Neuigkeit den Kauf durch Elsevier im Juni 2010.

COSIS.net hat seine schicke News-Section gelauncht, die auch von außen zugänglich ist. Die Seite ist auch ordentlich bestückt, alle 1–2 Tage gibt es redaktionelle Neuigkeiten und darüber hinaus viele aggregierte Blogs, alle aus dem Geo-Bereich. Im Bookshop ist jetzt eine Weltkarte integriert, die von den Usern mit GeoTags versehenen Bücher gleich mit Kauflinks anbietet.

Soweit für heute.

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Buch Digitale 2010

Heute steigt das Branchenevent des September: die Buch Digitale in Berlin. Hier meine Folien zum Workshop Wissenschaftler-Netzwerke.

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